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Heftarchiv – Themen und Debatten

In Verbindung bleiben - online lesen


In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, in Verbindung zu bleiben, das Gespräch nicht abreißen zu lassen. Wir wollen dazu mit einem wöchentlichen, unterschiedlichen Schwerpunkten gewidmeten Dossier beitragen – mit Leseproben und Texten der jüngeren Zeit, aber auch Beiträgen aus älteren und aus vergriffenen Jahrgängen. Gerne informieren wir Sie mit unserem Newsletter über alle neu freigeschalteten Texte.

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Der Traum vom Fliegen

VIRGINIA WOOLF Im Flug über London
Das Nichts wurde auf uns herabgegossen wie ein Haufen weißen Sandes. Dann, als ob irgendein Teil von uns seine Schwere beibehielte, fielen wir hinunter in Vliesähnliches, Gegenständliches, und Farbe; alle Farben zerstampfter Pflaumen und Delphine und Tücher und Meere und Regenwolken prallten zusammen, fleckten – purpurn, schwarz, stählern, all diese ganze sanfte Reife siedete um uns, und das Auge fühlte, wie ein Fisch fühlt, wenn er vom Felsen in die Tiefen des Meeres gleitet.
Eine Zeitlang waren wir in die Wolken eingewickelt. Dann erschien die Märchen-Erde, die weit, weit unten lag, eine bloße Scheibe oder Messerklinge von fließender Farbe. Sie stieg mit rasender Geschwindigkeit zu uns auf, sich verbreiternd und verlängernd;
1/2014
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HEINRICH HAUSER Die schlechten Mädchen von Hamburg. Texte aus dem Nachlaß
IKARUS, IKARUS!
(...)
Als ich ein Junge war, mein Junge
Träumten wir vom Fliegen
Nicht wie du heute von fliegenden Güterwagen und Ozeanriesen mit Flügeln
Die mit der brutalen Kraft zahlloser PS die Räume durchmessen
Sondern davon, ganz leicht zu sein, wie Bambus und Aluminium
Und gleichzeitig sehr stark, wie die Flügelmuskeln der Vögel
Damit wir fliegen könnten – wie Vögel.
1/2012 | zum Text


ROGER CAILLOIS Katechismus und Almanach. Über Saint-Exupéry
Saint-Exupéry überträgt und verlängert offenbar mehr als andere diese komplementären Bildungsgüter Katechismus und Almanach ins Erwachsenenleben und baut darauf auf: Er wird Pilot; er kann in stummer Nacht die Sprache der Sterne entziffern; er repariert Motoren, arbeitet an der Verbesserung eines Querruders, eines Landesystems, eines Geräts zur Aufzeichnung von Funkpeilungen, erwirbt Patente, stellt komplizierte Gleichungen auf, schreibt seitenweise Zahlen auf, um rein theoretische Probleme zu lösen, erfindet Kartentricks. Nebenbei verfaßt er moralische Traktate. In dieses Genre gehören alle seine Bücher, wie unterschiedlich sie auch sind(.)
3/2010
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Trost des Widerspruchs - Aphorismen und Aufzeichnungen

BASTIAN REINERT Die Wahrheit liegt im Zerfall. Aphorismen

Am freiesten sind wir in unseren Widersprüchen.

Du mußt mit den Ohren staunen!

Was uns so gleich macht, ist, daß wir uns so gerne voneinander unterscheiden wollen.

3/2019 | zum Text


ALEXANDER EILERS Kiesel. Aphorismen

Dem Spiegelbild das Ich anbieten.

Beim Rückzug steht einem die Gefolgschaft im Wege.

Die Kreativen ahmen die Schöpferischen nach.

1/2020 | zum Text


JOSEPH JOUBERT "Ich glätte nicht meine Sätze, sondern meine Gedanken". Aus den Notizbüchern

Man sollte, was man fühlt, erst nach einer langen Erholung der Seele schreiben: Man muß nicht ausdrücken, wie man sich fühlt, sondern wie man sich erinnert. Ich werde sagen, warum.

Korrekt ist man nur, indem man korrigiert.

Durch die Erinnerung erhebt man sich gegen die Zeit, durch das Vergessen folgt man ihrem Gang.

4/2016
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Vom Alter

HANNELORE SCHLAFFER Der jugendliche Greis. Das Reden über Alter und Altern
Jugendlichkeit  aber war zu allen Zeiten der Traum der Alten gewesen, nur haben sie sich dies nicht eingestanden. Im zweitausendjährigen Diskurs über das Alter ist immer nur von dessen Vorzügen die Rede: von seiner Würde, seiner Weisheit, seiner philosophischen Gelassenheit. Bei genauem Hinsehen jedoch stellt sich heraus, daß diese Auszeichnungen nichts sind als Stilisierungen, mit denen die Alten versuchten, sich gegen die Jugend zu behaupten. Bis ins 18. Jahrhundert hat man sich solcher Selbstdarstellung befleißigt.
5/2001 | zum Text


JOCHEN RACK Gespräch mit ODO MARQUARD. Über das Alter (2004)
MARQUARD: Ich sage jetzt mal was Provozierendes. Natürlich hat ein Schlaganfall, den man einigermaßen heil übersteht, auch sein Gutes: (...)
5/2010 | zum Text


NATASCHA WODIN Das Ausland des Alters
So also begann es, dachte sie. Es kam nicht nach und nach, wie man sich das vorstellte, sondern ganz plötzlich, mit einem Ruck, nachts, während man schlief. In einem einzigen Augenblick bildete sich im abgenutzten Körper ein Riß, ein Leck, durch das die Kraft auszulaufen begann. Und wenn man aufwachte, war man alt geworden, ohne zu begreifen, was einem geschehen war.
6/2011 | zum Text

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Krieg und Frieden

CHRISTOPH MECKEL Russische Zone
Die letzten Tage des Kriegs und die ersten des Nachkriegs glichen einander grau in grau. Für das Wort Frieden war die Zeit zu früh, ich hatte es öfter im Krieg als danach gehört. Viel helle, harte Courage schien nötig, ein Weiterleben für menschenmöglich zu halten. Zukunft, das Wort war mager geworden wie die, die es riefen, es war in ihm kein Jubel und keine Gewißheit, es irrte herum ohne Zuständigkeit, alt geworden, kaputt wie alles und jeder, es war eine Last.
3/2011 | zum Text


GÜNTER EICH Das Wolburg-Fragment (1945). Mit einer Vorbemerkung von Axel Vieregg
Es ist – jenseits aller Kollektivschuld und Kollektivscham – auch die Frage nach dem, was Eich als seine eigene Schuld und Scham empfand. Denn nur vordergründig geht es in "Die gekaufte Prüfung" um die Schwarzmarktzeit, ebenso wie es in dem Wolburg-Fragment nur vordergründig um die Inflationszeit ging. Worum es vor allem geht, ist Eichs Mitwirken im Rundfunk der NS-Zeit, speziell bei der weitaus beliebtesten, bekanntesten und mit 75 Sendungen umfangreichsten Funkserie des Dritten Reiches, dem "Deutschen Kalender. Monatsbilder vom Königswusterhäuser Landboten", die von 1933 bis 1940 zur besten Sendezeit lief.
5/2015 | zum Text


RICHARD SCHROETTER "Wir ahnten nicht, was kommen würde". Gespräch mit Victor Brombert
SCHROETTER: Haben Sie sich im Krieg jemals etwas geschworen, falls Sie das alles überleben würden?
BROMBERT: Nur für den Fall, daß ich diesen oder jenen Moment überlebe. Beten konnte ich nicht, aber ich schwor zum Beispiel, daß ich mich nie beklagen würde, falls ich überlebe. Natürlich habe ich nicht Wort gehalten.
6/2009 | zum Text

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Träume, Taggedanken und Visionen


MARGUERITE YOURCENAR Träume und Schicksale
Seit meiner Jugend (an Kinderträume kann ich mich bis auf zwei oder drei kaum erinnern) begleitet mich durch mein nächtliches Leben ein Dutzend verstörender oder gütiger Träume, die wie musikalische Motive erkennbar und wie diese unendlich variierbar sind.

6/2009
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PAUL GURK Die Vision des Paul Gurk von den Wolken. Mit einer Vorbemerkung von Gernot Krämer
Sehr gegen meinen Wunsch erscheinen meine Bücher, wenn sie die gehörige Länge haben, als Romane. Ich schreibe keine Romane. Mir ist das viel zu langweilig, wenigstens soweit das in der heute üblichen Technik geschieht. (...) Ich arbeite aber mit Visionen und habe demgemäß die Blitzlichtaufnahme, die Röntgenaufnahme.

2/2019
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WILLIAM BECKFORD Träume, Taggedanken und Wechselfälle des Lebens. Reise durch Deutschland (1780). Mit einer Vorbemerkung von Gernot Krämer
Visionen umspielen mich, und in feierlichen Augenblicken verfalle ich in poetische Trance. (...) Diejenigen, die ich liebe, sind abwesend. Einsam und verlassen suche ich Zuflucht in Luftgesprächen und rede mit Geistern, deren Stimmen im Sturmwind murmeln.
4/2018 | zum Text

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Phantasiereisen

TOMÁS GONZÁLEZ Reise an die Küste
Am nächsten Tag räumten Mutter und Tochter das Bett und die anderen Möbel aus dem Zimmer, von dem man auf die Mangobäume und die Gartenmauer dahinter schaute, und stellten zwei Reihen Stühle auf – so wurde es zum Eisenbahnwagen.
5/2013
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MICHELLE LEGRO Eine Reise nach Japan in sechzehn Minuten. Sadakichi Hartmann und sein Kunstwerk der Düfte
Jahrelang ging ihm ein Duft nicht aus dem Sinn – eher die Idee eines Duftes, ein leiser Hauch, der sich in der kühlen Nachtluft verflüchtigt. Dieser ließ Kontinente zusammenschmelzen und erlaubte ihm, wie ein über Eis schlitternder Schädel unermeßliche Ozeane zu überqueren. Er nannte diesen Duft sein "Parfümkonzert", die reinste ästhetische Erfahrung in seinem der Ästhetik gewidmeten Leben. Und dieser Duft trug ihn nach Hause.
6/2014 | zum Text


ROBERT LOUIS STEVENSON Über das Genießen unangenehmer Orte
Aus einem beliebigen Ort das Beste zu machen ist schwierig, und vieles liegt in unserer Macht. Was man geduldig Seite für Seite betrachtet, zeigt am Ende gewöhnlich auch eine, die schön ist. Vor ein paar Monaten wurde im "Portfolio" etwas über "enthaltsame Lebensführung in einer Scenerie" gesagt und solche Selbstzucht sodann als "heilsam und den Geschmack kräftigend" empfohlen. Das ist gleichsam der Text des vorliegenden Essays.
2/2017 | zum Text

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Kennen wir uns? - Vom Glück des Wiederlesens.

KURT R. EISSLER Über das Wiederlesen großer Werke
Es dauert Generationen, ehe die Bedeutung eines Kunstwerks auch nur annähernd erkannt ist, da jede Epoche sie neu zu entdecken scheint. Wahrhaft große Kunst ist womöglich unergründlich, so daß ihre Interpretation nie ein natürliches Ende hat. Die Bedeutung eines Werkes läßt sich schon an der Wirkung bemessen, die mehrere Begegnungen mit ihm haben. Ich jedenfalls glaube, daß die Wirkung einer einzelnen künstlerischen Erfahrung noch nichts besagt.
4/2008 | zum Text


MARC FUMAROLI Beim Wiederlesen von Mario Praz
Es bedurfte des ganzen Ansehens, das ihm die grenzenlose Bewunderung der anglo-amerikanischen Welt für seine Bücher und die Freundschaft etwa eines T.S.Eliot oder Edmund Wilson eintrugen, um die öffentlich bezeugte Abneigung Benedetto Croces zu kompensieren, des italienischen Literaturpapstes der Zwischenkriegszeit, der kein Buch von Praz in seiner Bibliothek duldete und sich bekreuzigte, wenn man ihn erwähnte.
1/2010 | zum Text


ADAM ZAGAJEWSKI Aleksander Wats Erinnerungen, nach Jahren wiedergelesen
Wats Buch war eine Sensation; zugänglich nur in einer kleinen Anzahl von Exemplaren (bis es im Samisdat in weniger eleganter, aber zugänglicherer Form erschien), wurde es von Hand zu Hand weitergereicht, nachts verschlungen, eilig und in angespannter Konzentration; in unterschiedlichen Städten bildeten sich Schlangen von Menschen, die auf das Buch warteten und darüber diskutierten.
6/2014 | zum Text

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Lob des Arztes

EMMANOUIL ROIDIS Lob der Krankheit
Wahrscheinlich wirst du, lieber Leser, schon bei der Überschrift dieses Artikels mit den Achseln zucken und ausrufen: "Dummes Zeug!" Allerdings wohl nicht, wenn du mal schwer krank warst und noch daran denkst, was du damals empfandest.
3/2008 | zum Text


DIETER JANZ Souveränität ist, nichts für Zufall zu halten. Gespräch mit Sebastian Kleinschmidt und Matthias Weichelt
Aus der biographischen Einbettung der Krankheit ergibt sich, daß der Mensch ein zeitgebundenes Wesen hat. Auch Krankheit hat daran teil. Zeitgebundenheit der Krankheit bedeutet, daß durch die Behandlung keine Restitution des vor der Krankheit herrschenden Zustandes erfolgt, daß Heilung nicht heißt: nach der Krankheit ist vor der Krankheit.
2/2011 | zum Text


MARTIN GUMPERT Lebenserinnerungen eines Arztes. Autobiographische Aufzeichnungen. Mit einer Vorbemerkung von Jutta Ittner
Gumperts Lebenswerk ist sowohl für die Literatur- und Kulturwissenschaften als auch für die Medizingeschichte eine Fundgrube. Thomas Mann beschreibt in seinem Vorwort zu Gumperts "First Papers" die Doppelexistenz von Arzt und Schriftsteller als aufs natürlichste in seiner Person vereinigt. (Gumperts berühmter Kollege Alfred Döblin betonte hingegen, der Dichter seines Namens sei dem Arzt eigentlich gar nicht bekannt.)
4/2018 | zum Text

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Das Ohr am Radio und das Hören in die Ferne

CÉCILE WAJSBROT Wieder eine Nacht
Und jetzt aufstehen, lautlos, um meinen Gefährten nicht zu wecken – so lautlos, als beginge ich einen Verrat, ließe unser gemeinsames Leben hinter mir –, und das Gefühl der Einsamkeit überwinden, indem ich mich am anderen Ende der Wohnung aufs Gästebett lege, wo ich Radio hören kann. Auf wie vielen Betten habe ich so gelegen, nicht gerechnet die Einzelbetten und die halb oder ganz genutzten Doppelbetten in Hotelzimmern, die nach Norden oder Süden gingen, in Paris, Berlin, Sofia, New York, Lwow, Aix-en-Provence, Seoul – harte und weiche Matratzen, Schlafmöbel, die zu Arenen eines gnadenlosen Kampfes wurden, zwischen Bewußtsein und Müdigkeit, zwischen gewesener oder kommender Anspannung und einem Loslassen, das nah und doch unmöglich ist.
6/2009 | zum Text


KLAUS REICHERT Adorno und das Radio
Wer als junger Mensch in den fünfziger Jahren anfing, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, dem boten sich dafür zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten: die Schule, obwohl damals noch ein reiner Paukbetrieb und für die Entwicklung geistiger Fähigkeiten eher hinderlich, und, andererseits, das Radio.
4/2010 | zum Text


ANNE DORN Verlust
Und dann der Druck meines Zeigefingers der linken Hand auf den Startknopf des kleinen Radios mit Standardeinstellung WDR III.
"Nachrichten. Es ist fünfzehn Uhr. Soeben ist das Historische Archiv der Stadt Köln in sich zusammengestürzt."

6/2010
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[zum Auftakt]

SIBYLLE LEWITSCHAROFF Steine, die fliegen, Worte, die fallen. Literatur und menschliche Schuld
Nicht der Ostwind, nicht der Westwind, nicht Nord- noch Südwind haben mir die folgenden Ideen zugeweht oder ihnen zumindest aufgeholfen, vier Herren (...)
Heft 2/2010 | zum Text


KLAUS DEMUS Ansichten der Natur. Gedichte
NACHTFLUG über dem großen
transatlantischen Kontinent:
(...)
Heft 4/2007zum Text


CLAUDE LÉVI-STRAUSS Die westliche Kontamination. Gespräch mit Boris Wiseman
BORIS WISEMAN: Sie gelten heute als Klassiker, und nicht selten reiht man Sie unter die größten Denker unserer Zeit ein. Was bedeutet Ihnen das? (...)
Heft 2/2009 | zum Text

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